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Turkologie

Die Turkologie befaßt sich mit der Erforschung der türksprachigen Welt unter Anwendung sprach-, literatur-, religionswissenschaftlicher, ethnologischer, historischer, politologischer oder soziologischer Methoden in synchroner, diachroner, diatopischer oder diastratischer Perspektive. Das Fach definiert sich also nicht nach methodischen oder theoretischen Parametern, sondern nach dem Kriterium der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Sprachfamilie.

Die Türksprachen zerfallen synchron in vier große Gruppen:

1. Die südwestliche oder oghusische Gruppe:

Aserbaidschanisch (Republik Aserbaidschan, Nordwest-Iran),

Gagausisch (Moldawien, Ukraine, Rumänien, Bulgarien),

Türkeitürkisch (Türkei),

Türkmenisch (Türkmenistan, Afghanistan),

südoghusische Dialekte (Iran).

2. Die nordwestliche oder kiptschakische Gruppe:

Baschkirisch (Baschkirien/Rußland),

Karaimisch (Litauen, Ukraine, Polen),

Karakalpakisch (Usbekistan),

Karatschaisch-Balkarisch (Kaukasus),

Kasachisch (Kasachstan, Xinjiang/China),

Kirgisisch (Kirgisistan, Xinjiang/China),

Krimtatarisch (Krim, Usbekistan),

Kumükisch (Kaukasus),

Nogaisch (Kaukasus),

Tatarisch (Tatarstan/Rußland),

3. Die südöstliche Gruppe:

Uigurisch (Xinjiang/China),

Usbekisch (Usbekistan)

4. Die nordöstliche oder sibirische Gruppe:

Altaisch ("Oirotisch", Altai),

Chakassisch (Chakassien),

Dolganisch,

Gelbuigurisch (Gansu/China),

Schorisch,

Tofalarisch ("Karagassisch"),

Tschulymtürkisch,

Tuwinisch (Tuwa, Xinjiang/China),

Jakutisch (Jakutien)

Keiner dieser Gruppen zuzuordnen sind Chaladsch (Iran), Salarisch (Gansu, Xinjiang/China) und Tschuwaschisch (Rußland).

In der diachronen Perspektive beginnt der Belegzeitraum der Türksprachen mit dem Runentürkisch im siebten Jahrhundert und findet an verschiedenen Orten mit Sprachen wie Altuigurisch, Karachanidisch, Osmanisch-Türkisch, Komanisch, Choresm-Türkisch und Tschagataisch seine Fortsetzung bis in die Moderne.

Während die Turkologie theoretisch das Studium all dieser Sprachen und der dazugehörigen Völkerschaften umfaßt, konzentrieren sich in der Praxis viele turkologische Einrichtungen auf das Osmanisch-Türkische und Türkeitürkische.

Die Turkologie in Mainz hingegen wird schwerpunktmäßig als sprachwissenschaftliche Gesamtturkologie betrieben und umfaßt als solche das gesamte Spektrum der modernen und vormodernen Türksprachen. Auch Sprachen in der Peripherie der Turcia wie mongolische, tungusische und iranische Sprachen finden Berücksichtigung.

Im Rahmen des Turkologiestudiums in Mainz wird das Studium des Osmanisch- Türkischen und Türkeitürkischen, einer vormodernen Türksprache sowie dreier (Nebenfach: zweier) weiterer Türksprachen aus verschiedenen Gruppen verlangt.

Die Schwerpunktsetzung auf nicht-sprachwissenschaftliche Themen im Rahmen von Magisterarbeiten oder Promotionen ist grundsätzlich möglich, jedoch muß das linguistische Pflichtprogramm absolviert werden.

Studienberatung Turkologie

Julian Rentzsch
Telefon: 0 61 31-39 2 27 79
E-Mail: turcolog@uni-mainz.de
Sprechstunde: Di 10-12 Uhr und nach Vereinbarung